Praktikant “Sauerstoff”

Es waren bei der Reanimation ein Notarzt, drei Rettungsassistenten und ich anwesend.
Als das Sauerstoffgerät angefordert wurde und ich es aus dem NEF holte, hätte ich schon den Füllstand der Flasche kontrollieren sollen. Ich habe es nicht gemacht. Als dann die Anweisung kam, 10 Liter Sauerstoff zu geben hätte klar sein müssen, dass selbst wenn die 2 Literflasche knall Voll gewesen wäre und wir die 10 bar Restdruck außer Acht lassen, maximal für 40 Minuten Sauerstoff da gewesen wäre.

Keiner hat daran gedacht oder sich auf den anderen verlassen. Ich und vielleicht auch wir haben vielleicht auch damit gerechnet, dass alles viel schneller geht. Dass wir da eine volle Stunde reanimiert haben erfährt man erst hinterher und so geschah es dann auch, dass plötzlich die Sauerstoffflasche leer war und eine neue herangeschafft werden musste. Es war kein großes Problem und sehr schnell erledigt und doch hätte es nicht sein müssen.

Ich will damit nur ausdrücken, dass man viele Dinge in so einer Situation erstaunlicher Weise beherrscht und richtig macht, aber eben alles erst auf Anweisung. Der Notarzt will eine Infusion anlegen und Du weißt genau was zu tun ist, er möchte ein Medikament aufgezogen haben und Du weißt was Du zu tun hast, Du wirst gefragt ob Du die Herzdruckmassage übernehmen willst und Du funktionierst und das ist auch gut und wichtig damit Du nicht nur im Weg rum sitzt. Aber den Füllzustand der Flasche zu kontrollieren wurde nicht angesagt und schon vergessen.

Es wäre meine Aufgabe gewesen das zu überprüfen weil ich die Anweisung bekam das Gerät zu holen. Das schlimmste daran ist, dass genau das am Wochenende vorher in der San-B Ausbildung besprochen wurde. Man muss sich eben genau verinnerlichen, dass die Kontrolle der Flasche bei der Anweisung „Sauerstoff“ dazu gehört wie die Tatsache, dass ich für eine Infusion nicht nur die Flasche mit der Infusionsflüssigkeit benötige, sondern einiges mehr. Der Unterschied ist, ohne das nötige Zubehör gibt es keine Infusion aber das Sauerstoffgerät wird aktiviert, es Zischt und gut und schon bist Du mit anderen Dingen beschäftigt.

3 Kommentare zu “Praktikant “Sauerstoff””

  1. Uli
    28. Oktober 2006, 08:29 Uhr
    1

    Was du beschreibst ist, denke ich, ein ganz normaler Vorgang. Auch ich habe bei mir selber eine Art ‘Tunnelblick’ bei meinen Einsätzen im RD-Praktikum festgestellt. Da die ganze Situation der Versorgung eines Akut-Patienten mit HI oder einer ähnlichen lebensbedrohlichen Erkrankung uns unroutinierte Ehrenämtler dann wohl doch etwas überfordert, konzentriert man sich auf ganz wenige einfache Dinge und bekommt dadurch vieles andere gar nicht mit. In der Nachbetrachtung eines Einsatzes habe ich mich schon oft gefragt, warum ich an dies oder jenes nicht gedacht hatte, obwohl ich das schon zig Mal geübt und gekonnt hatte (Ralf könnte da einiges berichten ;-) . Beispielsweise habe ich mir schon länger vorgenommen mir bei jedem Einsatz den Namen des Patienten zu merken, damit ich ihn richtig ansprechen kann. Bis heute gelingt mir das nicht, da dafür einfach noch kein Platz in meinem Hirn bei einem Einsatz dafür ist, neben BZ-messen, Elektroden kleben etc. Das Einzige was da hilft ist, denke ich, Routine und Praxis, Routine und Praxis,….

  2. Floschi
    28. Oktober 2006, 13:48 Uhr
    2

    Mal nicht so selbstkritisch “Es wäre meine Aufgabe gewesen das zu überprüfen weil ich die Anweisung bekam das Gerät zu holen” – Grundsätzlich bist Du als Praktikant unterwegs gewesen und nicht als professionelle Rettungsdienstkraft!

    Materialcheck ist Aufgabe des NEF Fahrers und Du unterstützt ihn dabei… – abgesehen davon, wäre die Flasche bei 1 Stunde Rea sowieso zu wechseln gewesen – ob dies nun 10 Minuten früher oder später geschieht…

    Wie Uli schon schreibt – Routine und Praxis werden dabei helfen im Einsatz auch ab und zu mal nach dem Füllstand des Sauerstoffes zu schauen…:-)

  3. k.ermer
    28. Oktober 2006, 14:19 Uhr
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    Ich nehme mir diese Sache auch nicht all zu sehr zu Herzen, zumal das Ergebnis das selbe gewesen wäre auch wenn die Flasche gereicht hätte. Selbstkritisch sollten wir aber schon sein um uns begangene Fehler zu vergegenwertigen und uns Gedanken darüber zu machen, wie wir verhindern können, dass der gleiche Fehler nicht ein zweites Mal gemacht wird. Uli hat es recht gut mit dem “Tunnelblick” geschildert. Hinterher fallen einem viele Dinge ein die man anders hätte machen können, dafür üben wir ja auch. Aber ein Fallbeispiel ist und bleibt ein Fallbeispiel und um so wichtiger ist es wenigstens einmal die Erfahrung in einem Realeinsatz zu machen. Ich denke seit dem etwas anders darüber und hoffe diese Denke in kommende Fallbeispielanalysen übernehmen zu können.

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