Archiv für die Kategorie 'mich'

Kurzurlaub

Samstag, 11. April 2009

dk00.jpgEin kleines gemütliches Haus in Strandnähe mit Kamin, Wetter von windig bis Sonne pur, dänische Brötchen am Morgen, dänischer Kuchen am Nachmittag und ausgedehnte Strandspaziergänge, dieses und noch einiges mehr haben uns in der vergangenen Woche den Alltag einigermaßen vergessen lassen.
Wie schon vor 2 Jahren haben wir uns mal wieder den frischen Nordseewind um die Nasen wehen und die Seele baumeln lassen.
Von anfängliche frisch bis T-Shirtwetter war alles dabei und wer weiß, wenn die Nordsee nicht so lausekalt gewesen wäre…..
Eine wunderschöne Woche die wie zu erwarten, viel zu schnell vergangen ist.
Einige Bilder davon gibt es HIER

Nachtgedanken

Montag, 09. März 2009

sundown.jpgDas nahe Ende eines Lebens, wenn es dann auch noch im eigenen Umfeld geschieht und wir emotional gebunden sind, lässt uns vieles in einem anderen Licht sehen. Wichtiges wird unwichtig und selbstverständliches ist gar nicht so selbstverständlich wie wir meinen. Je mehr Zeit wir haben uns mit dieser Situation zu befassen, wenn also wie in diesem Fall eigentlich schon alles klar ist, jeder weiß, dass es bald geschehen wird aber keiner weiß wann, dann öffnen sich Horizonte die man bisher noch nicht kannte.

Mir geht es so, ich erwische mich dabei, dass ich mich täglich, bei Zeiten sogar stündlich mit dem nahen Tod einer lieben Verwandten befasse und dadurch vieles „normale“ in Frage stelle.
Wer kennt es nicht, da erfährt man vom Ableben eines Bekannten mit dem man vielleicht vor einiger Zeit noch gesprochen hat. Natürlich sind wir mehr oder weniger betroffen aber es geschah plötzlich und unerwartet. Wir hatten keine Zeit uns mit dem Thema zu befassen und ebenso schnell wie wir involviert waren, sind wir auch wieder heraus, völlig normal eben.

Nun weiß ich aber schon seit längerem, dass diese Ende real absehbar ist. Du unterhältst dich mit dem Menschen der nur noch Tage oder vielleicht noch einige Wochen unter uns ist und versuchst DAS Thema kein Thema sein zu lassen. Es ist dieser Zwang, zwanglos zu wirken, es ist der verzweifelte Versuch normal zu erscheinen und doch genau zu wissen, dass es nicht funktioniert weil wir hilflos nach Worten suchend hoffen, ein Thema vom Gegenüber präsentiert zu bekommen.

Worüber soll man auch mit jemandem Sprechen dem jegliche Perspektiven genommen sind, der wirklich und mit all der verbliebenen Kraft darauf wartet, endlich bei der Hand genommen zu werden um die letzte Reisen antreten zu dürfen. Auch wenn es nicht verwerflich, verständlich und vielleicht auch zu rechtfertigen ist, so wühlt doch der Widerspruch in mir wenn ich diesem Menschen den Tod wünsche.

Je mehr und länger ich mich mit dieser Situation auseinander setze, desto bestimmter empfinde ich es auch als Chance mal intensiver über den Tellerrand zu schauen. Alles ist endlich und viel zu schnell und unerwartet zieht es uns den Boden unter den Füßen weg, wie mir vor kurzem in der Firma deutlich gemacht wurde. Vielleicht sollten wir häufiger mal anhalten, uns umsehen und Fragen ob der Aufwand, den wir treiben um das zu bekommen was wir Leben nennen, eigentlich lohnt.

Egal wie lange diese Sterben noch dauert und wenn, wie es dann endet, ich gehe mit Bewunderung und Respekt in die noch kommenden Gespräche mit ihr und hoffe und wünsche, dass Sie auch über den möglichst baldigen Tod hinaus, bei mir noch lange Wirkung zeigt und das mit ihr und durch sie erlebte nicht so schnell verblasst.

Schicksal

Montag, 19. Januar 2009

elektroden.jpgGenau vor einer Woche wurde uns auf eine ziemlich unmissverständliche Art gezeigt, wie schnell und unerwartet das Schicksal zuschlagen kann. Heute wiederum war es uns vergönnt demjenigen gegenüber zu stehen dem wir mit viel Glück dieses Schicksal ersparen konnten. Wenn auch nur kurz, weil ein Untersuchungstermin an stand, so konnten wir uns doch eine kleine Weile unterhalten. Es tat saugut ihn so zu sehen. Dem Kollegen geht es erstaunlich gut. Er sieht gut aus und die Kurzzeiterinnerungslücken sind mittlerweile auch wieder geschlossen nur DER Tag und der darauf folgende sind bisher total aus der Erinnerung verschwunden. Nun weiß er auch wer für die Schmerzen in seiner Brust verantwortlich ist. Ab nächste Woche steht erst einmal eine dreiwöchige Reha in Segeberg in seinem neuen Programmheft und dann werden wir weitersehen. Als kleines Andenken haben wir ihm die Elektroden unseres Defibrillator geschenkt mit Datum und Uhrzeit seines zweiten Geburtstages.

Das Leben kann richtig schön sein…

Dienstag, 13. Januar 2009

…wenn man so gute Nachrichten bekommt wie eben. Der Herzinfarkt ist wieder wach und er flachst schon wieder wie es seine Art ist. Er wundert sich nur warum er Schmerzen in der Brust hat….

Der Schock fürs Leben

Montag, 12. Januar 2009

Defi.gifHeute trat das ein wofür wir immer wieder üben und doch hoffen es nie anwenden zu müssen.
Die Betriebssanitäter wurden heute Morgen alarmiert und wir fanden einen Kollegen mit Herzinfarkt zusammengesunken noch in seinem Stuhl sitzend. Es fiel mir im Nachhinein auf, dass ich ab dem Moment nicht mehr nachgedacht habe sondern eine bestimmte Routine (die ich nur von den Übungen habe) ab gespult wurde. Neu für mich, und eine ganz besondere Erfahrung, war die Anwendung unseres AED-Plus (Automatisch Externer Defibrillator)in einer Realsituation, der relativ schnell vor Ort war. Alles was ich bisher in Theorie und Praxis an Puppen gelernt hatte funktionierte erstaunlich gut, Herzdruckmassage bis die Elektroden einsatzbereit sind, aufkleben der Elektroden, Reanimation bis der AED in den Analysemodus geht, kennt man ja und dann plötzlich: Schock empfohlen!
Mein Gott, ich soll da jetzt mehrere hundert Volt in meinen Kollegen hinein jagen? Das und genau das war der Punk, mein Kollege, nicht irgendein Fremder sondern ein Mensch den Du schon mehrere Jahre kennst, dem Du heute Morgen noch einen schönen guten Morgen gewünscht hast, mit dem wir uns einmal in der Woche zum Würstchen essen treffen, der immer gut drauf ist, der Fahradfahrer vorm Herrn und dem sollst Du nun solch einen Stromstoß verpassen?
Ja genau das, Du sollst es nicht, Du musst denn sonst ist er innerhalb kürzester Zeit hinüber. Diese Erkenntnis kam mit dem aufleuchteten der roten Lampe und schon zuckte der ganze Körper wie ich es bisher noch nicht erlebt hatte. Diese Prozedur mussten wir noch zwei mal wieder holen und ab und zu sah es danach aus, dass er wiederkommen würde auch weil er selbstständig nach Luft schnappte, bis dann endlich der Notarzt mit der RTW-Besatzung kam und mich und meinen Sanitätskollegen erlöste.
Diese mussten ebenfalls noch zwei weitere Schocks abgeben bis wieder ein Rythmus zu erkennen war. Wärend der weiteren Behandlung soll der Kollege einen zweiten und draußen im Rettungswagen noch einen dritten Infarkt erlitten haben.
Ich weiß noch nicht ob er es geschafft hat aber ich weiß, dass wir unser möglichstes getan haben und dass er ein kräftiger Kerl ist und nun ist es eine Sache zwischen ihm und seinem Schöpfer. Ich bin sehr gespannt ob und was er alles von dieser Aktion mitbekommen hat und hoffe und wünsche sehr, dass er es mir demnächst berichten kann.