Appendizitis

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Im September 1997 zwang mich eine Blinddarmentzündung zu einem unfreiwilligen Krankenhausaufenthalt. Nach überstandener OP fand ich mich allein in einem Zimmer wieder. In der Hoffung mich in aller Ruhe erholen zu können begann ich meinen noch anhaltenden Rausch auszuschlafen. Es dauerte aber nicht lange da wurde die Zimmertür geöffnet, das Licht flammte auf und Tim wurde in mein Leben gerollt.


Aus war´s mit der Ruhe. Nachdem Andrea (Tim´s bessere Hälfte) das Pflegepersonal eingenordet hatte worauf bei Tim zu achten sei, wurde es bald ruhiger und ich / wir konnten dann durchschlafen. Nachdem wir am nächsten Morgen, wie im Krankenhaus üblich, barsch aus dem Schlaf gerissen und uns eröffnet wurde, dass wir kein Frühstück bekommen, begannen wir uns erst einmal vorzustellen.

Tim hatte es etwas schlimmer als mich erwischt. Während ich relativ zügig nach erfolgter Diagnose auf dem OP-Tisch lag, zog Tim es vor sich nicht in einem Krankenhaus in Südfrankreich operieren zu lassen wo er mit Frau und Tochter den Urlaub verbrachte. Also hat Andrea Kind, Kegel und Tim ins Auto verfrachtet und ist mal eben nach Hamburg geheult (Hut ab). Dementsprechend fortgeschritten war dann auch seine Appendizitis. Mit der Zeit lernten wir uns besser kennen und stellten fest, dass wir ganz gut miteinander auskommen würden.

Wenn man im Krankenhaus überhaupt Spaß haben kann, dann haben wir das Maximum herausgeholt. Wir haben gelacht bis uns die Tränen in den Augen standen weil lachen mit frischen Bauchnarben sehr schmerzhaft ist. Ab und zu wurde die gute Laune von übereifrigen Pflegern und angehenden Ärzten getrübt. Als Beispiel sei hier ein vollpigmentierter angehender Arzt in schlohweißem Kittel genannt, der Tim beim Verbandwechsel mit den Worten quälte: „Das kann ihnen brennen“. Ausgeglichen wurden aber solche Vorkommnisse von den Schwestern die sich rührend um uns kümmerten.

Da ich zu diesem Zeitpunkt noch solo war versuchte Tim da was klar zu machen, hat aber nicht so richtig geklappt. Ich muss wirklich sagen, dass dieser Krankenhausaufenthalt der angenehmste von allen war. Aus diesem Zusammentreffen ist eine Freundschaft entstanden die bis heute anhält. Wir treffen uns regelmäßig 4x im Jahr und gelegentlich fahre ich nach der Arbeit auf eine Tasse Kaffee vorbei. Durch die Freundschaft zu Tim, Andrea und Krüschi habe ich, haben wir schon schöne Gespräche, Erlebnisse und leckeres Essen teilen können.

Ein Kommentar zu “Appendizitis”

  1. Tim Stübing
    9. Juli 2006, 18:13 Uhr
    1

    Lieber Karsten,

    ein netter Beitrag, der recht zutreffend die Situation unseres damaligen Aufeinandertreffens beschreibt. Du hättest in der Dir eigenen Bescheidenheit durchaus noch hinzufügen dürfen, dass Du mir damals im Krankenhaus eine enorme Hilfe gewesen bist, denn ohne Dich wäre ich bestimmt nicht so schnell wieder auf die Beine gekommen. Schon 1997 konnte man latent Deine Begabung erkennen, anderen Menschen in Not zu helfen, was heute weiterhin in Deiner Arbeit für das Rote Kreuz zum Ausdruck kommt.

    Ich wünsche Dir und Deiner Rita auf ewig alles Liebe und Gute und wenn ich wirklich nochmal ins Krankenhaus kommen sollte, wäre es schön, wenn Du wieder zur gleichen Zeit mein Zimmergenosse sein würdest.

    Auf bald, Dein Freund TIM

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