Heute trat das ein wofür wir immer wieder üben und doch hoffen es nie anwenden zu müssen.
Die Betriebssanitäter wurden heute Morgen alarmiert und wir fanden einen Kollegen mit Herzinfarkt zusammengesunken noch in seinem Stuhl sitzend. Es fiel mir im Nachhinein auf, dass ich ab dem Moment nicht mehr nachgedacht habe sondern eine bestimmte Routine (die ich nur von den Übungen habe) ab gespult wurde. Neu für mich, und eine ganz besondere Erfahrung, war die Anwendung unseres AED-Plus (Automatisch Externer Defibrillator)in einer Realsituation, der relativ schnell vor Ort war. Alles was ich bisher in Theorie und Praxis an Puppen gelernt hatte funktionierte erstaunlich gut, Herzdruckmassage bis die Elektroden einsatzbereit sind, aufkleben der Elektroden, Reanimation bis der AED in den Analysemodus geht, kennt man ja und dann plötzlich: Schock empfohlen!
Mein Gott, ich soll da jetzt mehrere hundert Volt in meinen Kollegen hinein jagen? Das und genau das war der Punk, mein Kollege, nicht irgendein Fremder sondern ein Mensch den Du schon mehrere Jahre kennst, dem Du heute Morgen noch einen schönen guten Morgen gewünscht hast, mit dem wir uns einmal in der Woche zum Würstchen essen treffen, der immer gut drauf ist, der Fahradfahrer vorm Herrn und dem sollst Du nun solch einen Stromstoß verpassen?
Ja genau das, Du sollst es nicht, Du musst denn sonst ist er innerhalb kürzester Zeit hinüber. Diese Erkenntnis kam mit dem aufleuchteten der roten Lampe und schon zuckte der ganze Körper wie ich es bisher noch nicht erlebt hatte. Diese Prozedur mussten wir noch zwei mal wieder holen und ab und zu sah es danach aus, dass er wiederkommen würde auch weil er selbstständig nach Luft schnappte, bis dann endlich der Notarzt mit der RTW-Besatzung kam und mich und meinen Sanitätskollegen erlöste.
Diese mussten ebenfalls noch zwei weitere Schocks abgeben bis wieder ein Rythmus zu erkennen war. Wärend der weiteren Behandlung soll der Kollege einen zweiten und draußen im Rettungswagen noch einen dritten Infarkt erlitten haben.
Ich weiß noch nicht ob er es geschafft hat aber ich weiß, dass wir unser möglichstes getan haben und dass er ein kräftiger Kerl ist und nun ist es eine Sache zwischen ihm und seinem Schöpfer. Ich bin sehr gespannt ob und was er alles von dieser Aktion mitbekommen hat und hoffe und wünsche sehr, dass er es mir demnächst berichten kann.